"Flüchtlingskrise"?! - Riesenchance! Drei gute Gründe, warum unsere Lernferien sich auch an geflüchtete Kinder und Jugendliche richten

Jens und Charlotte aus dem climb-Team gelten intern schon als „Taskforce für große Schecks“; 2015 haben die beiden unter anderem die Auszeichnung von Angela Merkel aus dem Bundeskanzleramt mitgebracht und eine Teilfinanzierung der Sommer-Lernferien beim Hamburger Spendenparlament eingeworben. Anfang Juni rückte die Taskforce wieder aus - und kam mit unglaublichen 25.000€ aus dem Wirkungsfonds wieder. Mit dem Wirkungsfonds unterstützen Deutsche Bank, SAP, iq consult und Social Impact Sozialunternehmen, welche die Situation von geflüchteten Menschen in Europa verbessern wollen und dafür ein innovatives unternehmerisches Konzept entwickelt haben. Mit den 25.000€ wollen wir ab Herbst nicht nur in Mainz gemeinsam mit den Maltesern, sondern auch in Hamburg Lernferien anbieten, die auch Kindern mit Fluchtgeschichte die Möglichkeit bieten, sich in den Ferien weiterzuentwickeln, ihre Stärken zu entdecken und mit einem gehörigen Kompetenz- und Motivationszuwachs nach den Ferien durchzustarten.

Jens und Charlotte beim Wirkungsfonds-Pitchfinale mit Mit-Gewinner Lars vom Netzwerk Chancen gestalten.
Jens und Charlotte beim Wirkungsfonds-Pitchfinale mit Mit-Gewinner Lars vom Netzwerk Chancen gestalten.

Aber warum eigentlich? Drei gute Gründe, warum wir uns entschlossen haben, unser Konzept so anzupassen, dass wir an ausgewählten Schulen einen Beitrag dazu leisten können, dass wir als Gesellschaft die Chancen der vermeintlichen „Flüchtlingskrise“ nutzen und nicht verspielen, berichten wir an dieser Stelle. 


1. Geflüchtete Kinder gehen in „unsere“ Schulen. Dort gibt es jede Menge Probleme - und noch viel mehr Potenziale. Gerade jetzt.

In Hamburg ging Anfang des Jahres eine Meldung durch die Lokalpresse, die aufhorchen ließ: rund zwei Drittel der geflüchteten Kinder und Jugendliche gehen auf Schulen, in denen laut der amtlichen KESS-Statistik die Schüler*innen besonders oft von Risikolagen wie z.B. Armut oder Bildungferne des Elternhauses betroffen sind. Das deckt sich mit unserem Erleben, dass „unsere“ Schulen, an denen wir seit Jahren Lernferien durchführen und Kindern mit schlechteren Startbedingungen Kompetenzen für mutige  Bildungswege vermitteln, besonders viele geflüchtete Kinder aufnehmen. Wenn Bildung Schlüssel zur Integration ist, sind diese Schulen das Schlüsselloch. Und wir kennen diese Schulen ganz genau und wissen um die Potenziale, die in ihnen stecken genauso wie um die großen Herausforderungen, denen sich dort jeden Tag Kinder und Erwachsene stellen. Dass wir Schulen bei der enormen Aufgabe, erster Hafen einer ganzen Generation geflüchteter Kinder zu sein, zur Seite stehen und mit den Lernferien einen konkreten Beitrag für ein gutes Zusammenkommen leisten, ist für uns selbstverständlich. Umso schöner, dass wir das nun nicht nur in Mainz, sondern auch in Hamburg tun können.

 


2. Wir können in Generationen denken. Das hilft uns, den Blick aufs Wesentliche nicht zu verlieren.

„Früh anfangen,“ das war schon immer unser Motto. Deswegen arbeiten wir mit Grundschulkindern und mit jungen Leuten in der Ausbildung zusammen, und setzen ganz am Anfang der Schulzeit oder der Lehrerkarriere Impulse, die lange nachwirken. Diese lange Sicht auf die Dinge kommt uns, glauben wir, in der Arbeit im Kontext von Flucht und Migration, besonders gelegen. Integrationsprozesse dauern - nach der Erstversorgung und der Nothilfe kommt ein unglaublich langer Prozess der Orientierung, den wir mitgestalten wollen. Für die Kinder, mit denen wir arbeiten, entscheidet sich das „wir schaffen das“ nicht heute oder morgen, sondern in drei, vier, fünf oder zehn Jahren - in den Klassenzimmern der Lehrer*innen oder im Vorstellungsgespräch mit den Nachwuchsführungskräften, die wir heute ausbilden. Wir sehen uns als Weichensteller. Mit Hoffnung und mit dem Vertrauen, dass kleine Impulse, die wir heute setzen, über Jahre ihre Wirkung entfalten. Umso schöner, dass wir in Mainz die Chance haben, zwei Lernferienwochen auch für Kinder zu gestalten, die bisher in ihrer Wohneinrichtung beschult wurden, und für die climb der erste richtige richtige Schulbesuch in Deutschland wird. Früher kann man ja nicht anfangen - und langfristiger kaum wirken.

 


3. In einer vielfältigen Gesellschaft gewinnen wir alle. Und diese Gesellschaft fällt nicht vom Himmel.

Ankommen in Deutschland, das ist das eine. Aber angenommen werden, das ist das andere. Wir stehen bei climb für eine vielfältige Gesellschaft, deswegen sind unsere Lernferienangebote explizit als Begegnungsraum für Kinder mit und ohne Fluchtgeschichte, mit und ohne Migrationshintergrund gedacht. Unsere Lernferien bringen geflüchtete und beheimate Kinder zusammen und zeigen ihnen, wie viel sie voneinander lernen können. Wenn wir Kindern und ihren Familien die Gelegenheit geben, sich ganz entspannt kennenzulernen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, Freundschaften zu knüpfen und miteinander und voneinander zu lernen, machen wir eine bunte Gesellschaft, in der Menschen jeder Herkunft friedlich und fröhlich zusammenleben, im Kleinen greifbar - und damit im Großen möglich.

 


Ein knappes Jahr, nachdem die Bilder des Ankommens von Hauptbahnhöfen um die Welt gingen, gilt es nun also, das zweite Kapitel dieser Geschichte zu schreiben. Wir wollen dieses Kapitel mitschreiben. Weil wir nicht in zwanzig Jahren zurückschauen wollen und denken: "Da wäre mehr gegangen". Weil wir wissen, was wir verlieren, wenn wir diese Chance verspielen und weil wir wissen, was wir gewinnen können, wenn wir sie nutzen. Nicht nur eine ganze Generation von Kindern, die mutig und selbstbewusst ihren Weg gehen. Sondern ein Land, das offener und mutiger ist. Das Problem, davon sind wir überzeugt, sind nicht die Menschen, die vor Krieg und Not fliehen und in Deutschland eine bessere Zukunft suchen. Das Problem ist eine Gesellschaft, die vor Herausforderungen zurückschreckt. Und Mut machen, das können wir. Los geht’s!

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