Mit allen Sinnen

Wie ist das eigentlich, wenn man blind ist oder wenn man im Alltag Unterstützung braucht? climb-Kinder in Dortmund und Hamburg üben Rücksicht und leben Vielfalt.

Wie fühlt es sich an, wenn man nur wenig sieht oder wenn man jeden Tag auf die Unterstützung anderer angewiesen ist? Bei den Frühjahrs-Lernferien in Dortmund und Hamburg können die Kinder dies am eigenen Leib erfahren.

 

In Dortmund stehen im Projekt „Sinne” die Augen, Ohren und Hände der Kinder im Mittelpunkt. „Das ist total schwer, die Buchstaben zu fühlen”, sagt Destiny (8) und hält einen Text in Brailleschrift hoch. Denn durch die Simulation mit der Augenbinde kann er nichts sehen und muss sich auf seine Hände verlassen. Die Materialien hat der Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e. V. (BSVW) zur Verfügung gestellt. Die Kinder bei den Lernferien an der Weingartenschule am See in Dortmund-Hörde nutzen sie völlig fasziniert. Einen Gast haben sie heute auch: Johannes vom BSVW ist zu Besuch. Er ist blind und erzählt den Kindern, welchen Herausforderungen er im Alltag begegnet. Danach dürfen die Kinder auf dem Schulhof in Zweiergruppen mit Blindenstock und Augenbinde herumlaufen. Wie sehr sie dabei ihren ihren Fühl- und Hörsinn brauchen, merken sie sehr schnell. „Gib mir mal deine Hand”, sagt Valeria zu Sarah, „ich führ dich rum, dann fällst du nicht hin.” Ganz vorsichtig kümmern sich die Kinder umeinander und vertrauen sich gegenseitig. 

 

Ein paar Wochen vorher, in Hamburg: Ein Hund bei climb? Das gab’s noch nie! Assistenzhund Iwo ist zu Besuch an der Schule Maretstraße in Hamburg-Harburg. Er begleitet Menschen mit Behinderung in ihrem Alltag. Hundetrainerin Kerstin von Rauchzeichen e. V. ermuntert die Kinder, Iwo Befehle für einfache Tricks zu geben und einen kleinen Wettstreit zwischen Hund und Kind anzufangen: Wer kann schneller rennen? Und wer kann besser hören? Mit kleinen Übungen lernen die Kinder den Umgang mit Hunden und das richtige Verhalten ihnen gegenüber. Ganz nebenbei können sie Rücksicht trainieren und spielerisch die eigenen Grenzen und die der anderen erfahren und respektieren. Sean (7) ist der Erste, der sich traut, Iwo zu begrüßen. Alle sind mucksmäuschenstill und warten gespannt. Sean befolgt die Tipps der Hundetrainerin genau und ist danach mächtig stolz. „Ich hab den Hund angefasst! Aber erst, als er es erlaubt hat!” Nun trauen sich auch die anderen Kinder.

 

An beiden climb-Standorten haben die Kinder in diesen Lernferien viel zum Thema Rücksicht gelernt. „Das ist das beste Projekt”, sagt Destiny in Dortmund, als die Projektzeit zu Ende geht. Im Interview mit ihrem blinden Gast konnten die Kinder ihre Fragen ganz offen und ehrlich stellen und dadurch viel über Respekt und Toleranz lernen. Und so manches Kind hat heute seine soziale Ader entdeckt, von der es vorher gar nicht wusste, dass es sie hat. Bop klebt sich in der Containerrunde bei der Reflexion noch schnell einen blauen Aufkleber auf sein Containerschiff: „Ich habe Rücksicht auf andere genommen”, bedeutet Blau bei climb. Dann begleiten die Kinder ihren Gast stolz bis zur Straße, wo sie unbedingt mit ihm auf sein Taxi warten wollen. „Komm uns bald wieder besuchen!”, rufen die Kinder. Und auch das climb-Team findet: Diese Besuche sollten wir unbedingt wiederholen, denn sie bereichern die Lernferien ungemein!

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