climb und der impact - warum wir so schnell nicht fertig werden

"Leadership isn't about changing the world, because there is no world. There's only six billion understandings of it, and once you've changed one person's understanding of who they are and how powerful they can be, you've changed the whole thing."

- Drew Dudley, Leading With Lollipops


Wir tun, was wir tun, schon ziemlich lange. Seit 2011 bauen, planen, diskutieren und verbessern wir unser Konzept, gehen neue Wege, bekommen positive Unterstützung und jede Menge kritische Rückfragen, wachsen, wachsen, wachsen, manchmal so schnell, dass uns dabei schwindelig wird. Bei so viel Chaos ist es manchmal ziemlich schwierig das große Ganze im Blick zu behalten. Warum machen wir das eigentlich? Im Kleinen wissen wir das ganz genau und auch unser Alltag steckt voll Bestätigung, das wir auf dem richtigen Weg sind. Genau deshalb fällt es uns, das haben wir diese Woche mal wieder festgestellt, manchmal nicht leicht, die große Frage nach der Wirkung, die alle Changemaker umtreibt und auch für uns im Zentrum unserer Arbeit steht, im Alltagstrott klar zu beantworten.  Warum wir trotz der vielen Fragezeichen mit einem großen Ausrufezeichen  zurückbleiben, könnt ihr in diesem Post lesen.


Arbeitsalltag, was ist das eigentlich?

Arbeitsalltag - haben wir so etwas überhaupt? Die letzte Woche war vielleicht eine: Hannah moderiert in Dortmund eine Leitbildentwicklung rund um die Konzeption eines Erlebnishauses für Flüchtlinge. Schreibt ein Lernferienangebot für eine große Münchner Firma, die sich ein in-house climb für ihre Mitarbeiterkinder vorstellen können, um ihre Familienfreundlichkeit auszubauen. Findet Zeit, unserer Steuerberaterin hinterher zu telefonieren. Jens schreibt wie wild Anträge, kümmert sich ums Controlling und arbeitet mit unserem StartSocial Coach, damit unsere Finanzplanung nachhaltiger wird, und wir, nebenbei bemerkt, als Finalisten des Wettbewerbs ins Kanzleramt kommen. Jenny betreut unsere Partnerschulen in Wilhelmsburg und Neuwiedenthal, wo Kinder und Schulleitung sie jetzt schon mit Vorfreude auf die März-climbs überrennen, rekrutiert neue Leitungsteams und standardisiert aus einem Wust an Ideen und Best Practice Beispielen ein brauchbares Vorbereitungswochenende für unsere climb-LehrerInnen. Marlies erstellt die Mutter aller Checklisten, damit der nächsten Projektleitung das Planen der Lernferien leichter fällt. Und ich? Habe unter anderem fünfzig Weihnachtskarten geschrieben. Bei so viel Arbeit in so vielen unterschiedlichen Bereichen, an so vielen Baustellen gleichzeitig, fehlt uns manchmal die Zeit und auch die Energie, gemeinsam nachzudenken. Unser Handeln zu hinterfragen, uns den wirklich großen Fragen zu stellen- was machen wir hier eigentlich, wieso, für wen, und kommt die ganze Energie, die wir investieren, wirklich da an, wo sie ankommen soll? Und wo ist das überhaupt?

Eine Möglichkeit, über solche Fragen nachzudenken, sind unsere monatlichen Ballontreffen, wo wir uns mal ganz bewusst einen ganzen Nachmittag Zeit zum nachdenken nehmen. Ganz entspannt im Lieblingscafé oder zu Hause vorm Kamin, mit vielen Süßigkeiten, vielen post-its und Zeit für Auseinandersetzungen und Denkschleifen, die wir uns sonst ganz gerne sparen. Am letzten Dienstag war so ein Termin: zum Thema Wirkung haben wir laut gedacht, und uns Zeit genommen, ganz in die Tiefe einzusteigen, jedes einzelne Wort zu hinterfragen.


Und für Marlies und mich bot das Wochenende noch eine zweite Gelegenheit: die Wirkungsschmiede, ein Seminarangebot von Ashoka und den Maltesern, die uns im Laufe des Jahres immer mal wieder Gelegenheit bieten wird, auszubrechen aus dem Alltagstrott und neue Steine umzudrehen. Als PEP-Stipendiatin profitiere ich ja schon seit September nicht nur von finanzieller Förderung sondern vor allem von der unglaublich anspruchsvollen Unterstützung, die die Begleitung durchs PEP-Team bietet. Die Wirkungsschmiede war eine Möglichkeit genau im richtigen Moment, diese Begleitung noch fokussierter wahrzunehmen. Im wunderschönen Kloster Bad Wimpfen, im Austausch mit Experten und anderen jungen Changemakern haben wir weitergedacht und uns mal ganz bewusst Fragen gestellt, die wir sonst ganz gerne ausklammern. Denken wir es groß genug? Machen wir wirklich das Richtige?  Wirklich, wirklich, wirklich? Kann man das messen? Wie?  Zwischendurch bin ich mit einem ziemlichen Knoten im Kopf ins Bett gegangen und mit viel mehr Frage- als Ausrufezeichen wieder nach Hause gefahren. Aber nach acht Stunden Zugfahrt und einer Nacht drüber schlafen hat sich auf jeden Fall ein riesiges Ausrufezeichen herauskristallisiert.


Wenn das ganze Nachdenken dieser Woche über Wirkung und Warum mir eines gezeigt hat, dann das:  climb ist ein work in progress und soll es bleiben. Wir wollen weiterlernen! Fertig sein, uns nicht weiterentwickeln wollen, nicht besser werden wollen - das ist ja eh nicht so unsere Art.  Deswegen ist es gut, wenn wir uns Hilfe von Experten wie dem PEP-Team und den Maltesern, aber auch unserer zahlenaffinen, wirkungsbesessenen HiWi Sarah holen - genau wie wir wollen, dass die Kinder bei climb den Mut entwickeln, sich selbstständig Hilfe zu holen, wenn sie sie brauchen.  Es ist genau richtig, dass wir uns Zeit zum reflektieren freischaufeln und dann am Ende mehr Fragen als Antworten haben; genau das vermitteln wir schließlich auch den jungen Erwachsenen mit denen wir arbeiten: den Mut, das eigene Handeln zu hinterfragen und anspruchsvoll mit sich selber zu bleiben, nicht bei Antwort A aufzuhören wenn das Alphabet noch 25 andere Buchstaben hat.

Und was ich noch gelernt habe: es tut gut, nach so einem Wochenende wieder in den Alltag einzusteigen. Denn das Schöne ist: unser Alltag bietet beim genauen Hinschauen so einiges an Antworten. Wenn Jenny per SMS berichtet, wie die Kinder an unserer Partnerschule an der Harke ihren MitschülerInnen von climb berichten und sich darum kümmern, dass die Anmeldebögen in ihrer Klasse ankommen, dann sehen wir die Selbstständigkeit, die wir vermitteln wollen. Wenn climb-Alumni das Recruiting neuer LehrerInnen selbst in die Hand nehmen, weil sie selber am besten wissen, wie viel climb ihnen gebracht hat, dann sehen wir, dass unser Mut machen zur Vernantwortung Früchte getragen hat. Wenn die Mutter eines unserer Stipendiatenkinder sich von uns aus bei uns meldet, um von einem positiven Lernentwicklungsgespräch in der Schule zu berichten, dann sehen wir, dass unsere hohen Ansprüche sich auszahlen. Wir begeistern, stärken, motivieren, wirken - und lernen 2015 ganz bestimmt, das zu fassen und zu messen.


Nach all dem Nachdenken eine Erkenntnis: Wir wirken schon heute, climb kommt an - und das wir noch nicht fassen können wie, ist völlg im Rahmen. Dann lernen wir das eben als Nächstes!

Charlotte ist climb-Gründerin und als PEP-Stipendiatin seit September ist nachdenken über Wirkung zu ihrer Hauptbeschäftigung unter der Dusche geworden. Sie bloggt hier über den Arbeitsalltag im Social Start-Up, den sie meistens ziemlich herausfordernd findet- und genau deshalb um nichts auf der Welt eintauschen würde!


 Wenn Du selber erleben willst, wie wir schon heute wirken , ist bei den Lernferien 2015 bestimmt noch ein Platz in einem unserer Teams für dich frei! Bewirb dich jetzt! Und wer unsere Arbeit  unterstützen will, kann uns bis Weihnachten bei betterplace.org ein Päckchen unter den Baum legen.

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